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Ritt auf der polnischen Fliege

Ein Flug mit der Mucha – wenn ich davon erzähle, ernte ich oft nur verständnislose Blicke mit großen Fragezeichen in den Augen bei meinen Gesprächspartnern. Oder es kommt die Frage: “Habe ich ja schon mal gehört, aber was ist das?“ Eben je nach Alter meines Gegenüber.

Von Uli Müller

Geburtsstadt Bielski Baal

Die SZD 22 Mucha (Fliege) wurde 1958 in Bielsko Biala, Polen, gebaut und eingeflogen. Auf der Weltmeisterschaft in Leszno (Lissa) im selben Jahr wurde Adam Witek überlegener Sieger vor Per Axel Persson auf Zugvogel IV und Heinz Huth auf Ka6 BR.

Meine erste Begegnung mit diesem Flugzeug fand 1961 in Fayence statt, wo ich es am Boden und in der Luft bestaunen konnte, aber nicht fliegen durfte. Wir flogen ja immerhin schon die Ka6! In den Jahren danach habe ich nichts mehr von diesem Flugzeugtyp gehört oder gesehen.

2014 gab es ein Wiedersehen. Nach dem Fliegerferien der LSG Erbslöh in Pirna in Sachsen fuhr ich quer durch Nordost-Polen nach Ostpreußen, um die Heimat meiner Frau zu besuchen und zu bewundern. Auf der Rückfahrt über Stettin besuchte ich den Flugplatz Kyritz, wo die Hildener Segelflieger mehrfach ihr Feriencamp aufgeschlagen hatten und geflogen waren.

Eine Halle voller Chartersegler

Dort traf ich mich mit Monika und Detlev Albrecht, zwei ASH 25-Piloten, die auch viele Langenfelder aus gemeinsamen Frankreich-Urlauben kennen. Detlev sagte mir, dass es am Platz in Kyritz einen Segelflugzeug-Verleih gebe. Tatsächlich ließ mir eine ganze Halle voller Charterflugzeuge das Herz höher schlagen. Gab es dort doch Schätzchen wie die Lommatzsch-Libelle, Foka 4, Foka 5, Cobra, Kranich III, um nur einige zu nennen. Und dann fiel mein Blick auf eine Mucha Standard. Die musste ich fliegen!

Nachdem Detlev mich vorgestellt hatte, ließ der Inhaber das Objekt meiner Begierde ausräumen. Von einem Überprüfungsflug war keine Rede, nur die Frage nach den letzten F-Schlepp musste ich beantworten. Dann machte ich eine Sitzprobe und mich mit der Instrumentierung vertraut. Interessant fand ich die nach hinten öffnende und aufstellende Haube. Für die damalige Zeit, die späten 50er und die 60er Jahre, war dies wahrlich fortschrittlich. Die Mechanik ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie etwas spillerig daherkommt. Störend war zudem eine Verbindungsstange zwischen der rechten und linken Haubenseite, die in geschlossenem Zustand genau vor den Kniescheiben liegt. Das ist schon mal ein Appell für eine möglichst sanfte Landung!

Kleine Ruderausschläge bitte

Außerdem hat man keine Chance, während des Fluges an die Instrumente zu kommen. Egal – ich wollte es ja nicht anders. Der Schlepp hinter einem Ultra-Leicht-Flieger gelingt problemlos. Ich klinke in der Thermik aus und mache erst einmal Höhe, um die Eigenschaften des Fliegers zu testen. Die Mucha ist beschränkt kunstflugfähig und daher sehr agil. Die Ruder sprechen direkt und verzögerungslos an. Kleine Ausschläge sind angesagt, wenn man nicht unfreiwillig kunstfliegen will.

Mein Flug fand im Umkreis von nur 50 km um den Platz herum statt. Ich wollte ja lediglich das Flugzeug ausprobieren. Nach gut zwei Stunden machte sich dann auch noch mein Gesäß bemerkbar, und die blöde Stange am Knie schmerzte. Ich hätte die Sitzprobe vor dem Flug etwas gewissenhafter durchführen sollen. Nach gut zweieinhalb Stunden ging ich zur Landung, die glatt und völlig problemlos verlief.

Fazit: Ein Typ mehr in meinem Flugbuch. Ein gut abgestimmtes Flugzeug, ein neues Erlebnis. Wer mal nach Kyritz kommt, ein Besuch auf dem Flugplatz lohnt sich. Information über Charter und angebotene Flugzeuge gibt es über das Internet.
www.abenteuer-segelflug.com

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